Autofahren in Australien… (oder: Schilderwahnsinn)

March 18th, 2009

… ist keine Hexerei. Linksverkehr? Naja, Lenkrad auf der anderen Seite, Schalthebel in der Mitte (Na no na) und Gegenverkehr kommt rechts. Soweit so gut. Wir haben uns in ca. 10 Kilometer dran gewoehnt. Die restlichen Regeln (Augen auf! Langsam fahren! Vorsichtig sein!) sind eigentlich Hausverstand…

Aber was hier in Australien WIRKLICH anders ist, ist die Beschilderung. Ich glaube daran, dass eine gute Beschilderung Risiken minimieren und den Stresspegel (in Form von rechtzeitigen Orientierungshilfen) senken kann. Aber so wie in Australien die Schilder verteilt werden, sieht das mehr nach einem Konjunkturpaket der Druckerein bzw. Blechschmieden aus…

Beispiele?

  • 60-80-40km/h Schilder aufeinander folgenden auf 150 Meter. WOZU!?
  • 40km/h aber nur: Schultage, 08:30 bis 09:00 und 14:30 bis 16:00. Ok, bis wir das gelesen haben bin ich in einer 80iger Zone schon 3mal in den Vordermann reingedonnert…
  • Umleitung: gesperrt sind: (dann 3 Strassennamen alle ca. 2 Zeilen lang) Umleitung ueber: (dann wieder 2 Strassennamen) in 10 Punktschrift in einer 70iger Zone. Schild gibts genau nur einmal. Wer das kapiert hat ohne einen Unfall zu bauen …

Aber abgesehen von uebertriebener Beschilderung in zu kleiner Schrift und nem’ halben Roman am Blech, finden wir hervorragende Beispiele fuer Australiens Missverstaendnis vom Konzept der korrekten Beschilderung:

ein “no parking” Schild in einer Kurve auf einer schmalen Strasse wo man 2km nur 20km/h fahren darf

bei einem Fussgaengerweg der die Strasse kreuzt ein “PEDESTRIANS! USE EXTREME CAUTION when crossing the roadway.” Was der Unterschied zwischen “Vorsichtig” und “EXTREMER (!!!111) Vorsicht” ist bzw. in ner 20iger Zone bringen soll, hrm… Setzen die Fussgaenger dann Spaeher ein, die bei Auftauchen eines Autos Groszalarm geben?

Schilder, die vor einer extremen Kurve warnen: gibt es grundsaetzlich in X5km/h (X= eine Zahl zwischen 1 und 8) Varianten und warnen, falls die Kurve fuer das geltende Geschwindigkeitslimit zu schnell ist. Einmal ist mir in einer 70iger Zone eine 85km/h Tafel untergekommen… (obs da was vergessen haben?) Ganz gemein wird es, wenn diese Schilder mal da sind und mal nicht…

Ah, Australien und Bergstrassen, unser Favorite: wenn eine Strasse auf 500 Meter 3 oder mehr Kurven hat und/oder mehr als 5% Gefaelle dann folgt grundsaetzlich eine Flut an Tafeln mit “CAUTION: Windy road!” oder “EXTREME CONDITIONS AHEAD: Steep and windy road!” Gekroent wird das ganze dann von Rampen (ca. alle 300 Meter) die LKWs mit kaputten Bremsen auffangen. Natuerlich im Gefolge von mindestens 8 Schildern die vor, waehrend und nach der Rampe vor der Rampe warnen und das Parken/Campen/Essen/Schlafen auf der Rampe verbieten. Klar, wenn ca. 80% vom Land flach wie ein Teller sind, dann sind Berge durchaus EXTREME CONDITIONS… Ach ja, meiner Meinung nach sind die Strassen in Melbourne oder Sydney die vom Huegel runter steil in die Stadt fuehren und mitten drinnen ne Ampel haben durchaus mehr EXTREME… aber nein, dass ist ja kein hochalpines Gebiet…

Blue Mountains – oder: der Freeway in den Nationalpark

March 18th, 2009

Die Blue Mountains sind das so ziehmlich beliebteste Naherholungsgebiet der Einwohner von Sydney. Keine 2 Autostunden von der (inoffiziellen Haupt-)Stadt entfernt bietet es Berge (oder besser: Huegel), Waelder, Nationalparks, Unmengen an Attraktionen etc. etc.

Wenn das so toll sein musz (und die Millionen Menschen in Sydney begeistern kann), dann muessen wir natuerlich dorthin! Auf dem Weg von Coledale, durch den Royal Nationalpark (wuuuunderhuebsch, die Strasse dadurch ist dem Princess Hwy eindeutig vorzuziehen) um Sydney herum (sofern das halt moeglich ist) landen wir in Glenbrook. Dieser “Gateway” Ort, in die Mountains, hat eine hilfsbereite Touristinfo. Mit Campingplaetzen und Caravanparks schauts mau aus. Uns beschleicht das Gefuehl, die Popularitaet wirkt sich reziprok auf unser Budget aus: je steigender diese ist desto mehr leidet unser Geldbeutel. Beispiel? Unpowered-Site auf nem Caravanpark in den Blue Mountains: 40AUD. Mit Strom: 80AUD. PRO PERSON! Krank? (wir enthalten uns jetzt der Meinung…)

Immerhin finden doch einen Campingplatz und steuern also auf das Megalong Valley zu. Immer den Freeway folgend bis nach Katoomba. Dort schaun wir uns die “Three Sister” und den “Echo Point” an, wo man so einen wunderhuebschen Ausblick auf die Mountains haben soll. Irgendwie ist die Szenerie nicht stimmig: tolle Umgebung, eine ueber-touristische Aussichtsplattform mit einer Tourismusindustrie dahinter – alles zusammen finden wir das ganze eher abstossend als “Ahhh!” und “Wooow!”. Die Mindestgebuehr von 3.5AUD (immerhin knapp 1,7EUR) fuer 10 Minuten parken (die wir fuer ein Foto gebraucht haben) fallen dabei gar nicht mehr so ins Gewicht…

Wir verlassen den Ort des Grauens (ist wohl der bessere Ausdruck dafuer) und weiter gehts nach Blackheath. Ein netter Ort und der Eintritt ins Megalong Valley. Ab hier gibts keinen Freeway mehr (der geht weiter nach Lithgow), die Strasse wird enger, kurviger und einsamer. Eindeutig mehr unser Geschmack :-) Je weiter wir runter ins Tal kommen und dann dem Valley folgen, desto huebscher wird die Szenerie. Am Ziel (der Megalong Heritage Farm) angekommen, erkundigen wir uns nach Reitstunden (Conny will unbedingt mal in Australia reiten!) und werden auch prompt dazu ueberredet um guenstige 20AUD auf der Farm zu campen. Was wollen wir mehr? (Gut, alternativ haetten wir einen freien Platz gekannt aber hier gibts nicht nur Warmwasserduschen, ein Klo und etwas Strom, nein sondern TRAUMHAFTE Aussicht, frei herumlaufende Pferde und auf der, gegen den Huegel aufsteigenden Farm angelgeten Gruenflaechen/Koppeln sind nur wir…)

Reitstunden gebucht und auf gehts zum Stellplatz fuer die Nacht. Wir haben die Qual der Wahl: mitten zwischen den Baeumen und dem kleinen See (und den 40+ frei herum rennenden Pferden) oder direkt neben einer Koppel und Sicht zur Abendsonne? Da faellts schon schwer :-) Ein Lagerfeuer duerfen wir “selbstverstaendlich” machen und Holz koenn’ ma einfach aus dem Wald nehmen. Conny kocht und ich schlag das Quatier auf, danach spazieren wir eine Stunde um das Gestuet und in den Wald. Sammeln Holz, streicheln Pferde und geniesen den Sonnenuntergang. Danach machen wir Feuer und sind richtig happy…

Am naechsten Tag gehen wir reiten. Von Pferden in der Frueh begruesst (sind wohl sehr neugierig was die Fremden mitten neben der Koppel zu tun haben), gehts dann auf ein Pferd rauf. Dank der Gedult meines Gauls kein Problem. Lenkung funktioniert und bremsen wills auch so wie ich es will :-) Die eine Stunde vergeht sehr rasch.

Gegen Mittag brechen wir auf zu den Jenolan Caves. Vorher kaufen wir in Lithgow ein, denn fuer die kommende Nacht wollen wir UNBEDINGT nochmal dorthin und diesmal gibts BBQ ueber Holzfeuer. Also wandern Maiskolben, Pfeffersteaks, Wuerstl, Brot und Marshmallows in unseren Van.

Die Jenolan Caves sind eigentlich 8 oder mehr Hoehlen die man besichtigen kann. Wir kommen genau recht zur Fuehrung durch die Chifley Cave. Rund eine Stunde dauert die Reise in die Dunkelheit, fuer 25AUD p.P. ganz ok. Als Draufgabe darf man noch die Nevels Cave und the Devils Coach House ansehen. Auch ohne Cavetour ist das Jenola Village WOW. Europaeischer Baustil des 18Jhdt in einem tiefen, schmalen Tal, die Einfahrt eine 140Meter lange Hoehle (“the Arc” genannt).

Nach der Tour gehts zurueck zu unserem Campingplatz der Nacht zuvor, diesmal schlagen wir unser Lager in keiner geschuetzen Koppel auf sondern mitten am Gruen. Die ersten Pferde kommen sogleich zu Besuch und versuchen mir mein Bier weg zu drinken – keine gute Idee :-) Keine halbe Stunde spaeter brennt ein Lagerfeuer und los gehts mit BBQ. Flammen gegrilltes Pfeffersteak, Wuerstl und dazu Maiskolben. Mhhh … :)

Somit waren die Blue Mountains fuer uns gar nicht so “disappointing” wie der erste Eindruck in Katoomba gezeigt hat. Ohne Touristen – ganz toll :-)